Bedarfsausweis Kosten: Warum er mehr kostet und was ein fairer Preis enthält
Marco Bisch Energieberater
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In diesem Portal kostet ein Verbrauchsausweis 69,90 €, ein Bedarfsausweis 119,90 € — und mit Termin vor Ort wird aus der gleichen Aufgabe schnell ein dreistelliger Betrag. Dies ist ein Artikel für Eigentümerinnen und Eigentümer eines älteren Wohnhauses, die vor dieser Rechnung stehen und wissen wollen, wofür sie den Unterschied bezahlen.
Die kurze Antwort: Der Bedarfsausweis ist kein teureres Papier, sondern eine andere Leistung. Hier steht, was er 2026 kostet, warum er teurer als der Verbrauchsausweis ist, was den Preis treibt und woran Sie ein vollständiges Angebot erkennen.
Was kostet ein Bedarfsausweis 2026?
Ein Bedarfsausweis ist der Energieausweis, der den Energiebedarf eines Gebäudes berechnet, statt seinen Verbrauch auszuwerten: Der Aussteller nimmt Bauteilflächen, Dämmung und Anlagentechnik auf und bilanziert daraus den Bedarf unter genormten Bedingungen (§ 81 Absatz 2 GModG).2 Hier im Portal kostet er 119,90 €.
Am Markt hängt der Preis vor allem davon ab, ob jemand zur Datenaufnahme anreist. Die Spannen stammen von co2online — eine amtliche Preisstatistik gibt es nicht.
| Erstellungsweg | Preisspanne | Stand |
|---|---|---|
| Online bestellt, Daten vom Eigentümer | um die 100 € | 12/2021, co2online |
| Mit Datenaufnahme vor Ort | 300–500 € | 12/2021, co2online |
| Größeres Gebäude, vor Ort | rund 300 € Grundpauschale plus 30–50 € je Wohneinheit | 12/2021, co2online |
| In diesem Portal, online | 119,90 € | 09/2026 |
Was ein Energieausweis insgesamt kostet, steht im Überblick Energieausweis Kosten; das Gegenstück zu diesem Artikel ist Verbrauchsausweis Kosten.
Warum ist er teurer als der Verbrauchsausweis?
Weil beide Ausweise die gleiche Kennzahl auf zwei Arten ermitteln. Der Verbrauchsausweis wertet Abrechnungen von 36 aufeinanderfolgenden Monaten aus (§ 82 GModG),3 bereinigt sie um Witterung und Leerstand und dividiert das Ergebnis durch die Fläche. Ab 2027 genügen 24 Monate.9 Rechenarbeit an vorhandenen Papieren.
Der Bedarfsausweis bildet dagegen das Gebäude nach. Er gelangt über § 81 Absatz 2 und § 38 Absatz 3 GModG zum Verfahren des § 20 Absatz 1 — der Bilanz nach DIN V 18599 in der Fassung 2018-09.7 Dafür braucht jede Fläche der wärmeübertragenden Hülle ein Maß, jedes Bauteil einen Wärmedurchgangskoeffizienten.
| Bauteil | Erhoben wird |
|---|---|
| Dach, Außenwand, Kellerdecke | Fläche und Aufbau |
| Fenster | Fläche, Verglasung, Rahmen |
| Anlagentechnik | Erzeuger, Speicher, Verteilung |
Quelle: Eigene Darstellung nach § 81 Absatz 2 GModG
Genau hier sitzt der Preis. Fehlen Baupläne, dürfen die Abmessungen durch vereinfachtes Aufmaß ermittelt und für unbekannte Bauteile Erfahrungswerte vergleichbarer Altersklassen verwendet werden (§ 38 Absatz 4 GModG).6 Wie das geht, steht in einer 31 Seiten langen amtlichen Bekanntmachung — mit der Vorgabe, dass die Maßtoleranz drei Prozent nicht überschreiten soll.10 Geregelte Ingenieurarbeit, und sie kostet Zeit.
Was den Unterschied nicht erklärt: der Besuch am Haus. Ein bestehendes Gebäude muss der Aussteller ohnehin begehen oder sich auf Bildaufnahmen zeigen lassen — bei jedem Energieausweis (§ 84 Absatz 1 GModG).5
| Kostentreiber | Verbrauchsausweis | Bedarfsausweis |
|---|---|---|
| Datengrundlage | vorhandene Abrechnungen | Aufmaß am Gebäude |
| Rechenweg | Auswertung und Bereinigung | Bilanz nach DIN V 18599 |
| Aufwand je Bauteil | keiner | Fläche und U-Wert einzeln |
| Preis im Portal | 69,90 € | 119,90 € |
| Am Markt online, 12/2021 | 50–100 € | um die 100 € |
| Mehrfamilienhaus, 12/2021 | rund 250 € | 300 € plus 30–50 € je Wohnung |
Wovon hängt der Preis im Einzelfall ab?
Laut Verbraucherzentrale hängt er von vier Größen ab: Gebäudegröße, Aufwand für die Bauteilaufnahme, Heizsystem und vorliegende Bauunterlagen.13
Vier Merkmale, die den Preis bewegen
Größe und Wohneinheiten
Jede weitere Wohnung bringt eigene Flächen. Vor Ort schlägt sie mit 30 bis 50 Euro zu Buche.
Zerklüftete Hülle
Anbau, Gaube, Wintergarten, Erker — jede Ausbuchtung ist eine eigene Fläche.
Unterlagen
Liegen Grundrisse, Schnitte und Ansichten vor, entfällt das Aufmaß weitgehend. Fehlen sie, ist es der größte Posten.
Zusatzleistungen
Express und Postversand sind Aufschläge auf den Grundpreis — bei beiden Ausweisarten gleich.
Wann habe ich keine Wahl?
Drei Fälle kennt das Gesetz, in denen der Bedarfsausweis vorgeschrieben und der günstigere Weg nicht zulässig ist: beim Neubau (§ 80 Absatz 1 GModG), nach wesentlichen Änderungen mit Berechnung für das ganze Gebäude (§ 80 Absatz 2) und — der häufigste Fall — bei einem Wohngebäude mit weniger als fünf Wohnungen, für das der Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt wurde (§ 80 Absatz 3 Satz 2 GModG).1 Der dritte Fall gilt nur noch bis Ende 2026.
Er hat eine Ausnahme, die selten vollständig erzählt wird: Er greift nicht, wenn das Haus das Anforderungsniveau der Wärmeschutzverordnung von 1977 bereits bei der Fertigstellung erfüllt hat oder später darauf gebracht wurde. Kostenlos ist die Ausnahme aber nicht — nachzuweisen ist sie über den mittleren Wärmedurchgangskoeffizienten oder die U-Werte aller Bauteile, also über eine eigene Rechnung.
Was gehört in den Preis — und was wird nachberechnet?
Das Gesetz schreibt mehrere Bestandteile vor. Ein Angebot ohne sie ist kein günstigeres, sondern ein unvollständiges:
Das muss im Preis stecken
- Registriernummer beim Deutschen Institut für Bautechnik — der Aussteller beantragt und bezahlt sie (§ 98 GModG), 6,90 € je Ausweis
- Modernisierungsempfehlungen — Pflichtbestandteil, außer es ist fachlich keine Maßnahme möglich (§ 84 GModG)
- Prüfung Ihrer Angaben — bei Zweifeln darf der Aussteller sie nicht verwenden (§ 83 Absatz 3 GModG)
- Begehung oder aussagekräftige Bildaufnahmen des Gebäudes (§ 84 Absatz 1 GModG)
- Korrektur von Auswertungsfehlern — vertraglich zu klären, nicht gesetzlich geregelt
Nicht enthalten ist eine Energieberatung: „Eine Energieberatung ist bei beiden Ausweisarten nicht inbegriffen“, vermerkt die Verbraucherzentrale.13 Wer sie will, beauftragt sie gesondert — das BAFA bezuschusst sie mit 50 Prozent des förderfähigen Honorars, maximal 650 Euro bei Ein- und Zweifamilienhäusern.14
Ein Punkt, der bei Preisbrechern untergeht: Für die Daten, die Sie liefern, haften Sie. Wer sie ungeprüft durchreicht, verkauft kein Schnäppchen, sondern ein Risiko.
Kann ich die Kosten absetzen?
Vermieterinnen und Vermieter setzen den Bedarfsausweis als Werbungskosten ab (vollständig im Jahr der Zahlung), Selbstnutzer können das nicht. Für sie kommt allenfalls die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen in Betracht, aber nur, wenn eine Leistung im eigenen Haushalt erbracht wurde — also nicht bei einer reinen Online-Ausstellung. Einzelheiten und Höchstbeträge stehen in Energieausweis steuerlich absetzbar.
Häufige Fragen zu den Kosten des Bedarfsausweises
Ist ein Bedarfsausweis ohne Begehung gültig?
Ja. § 84 Absatz 1 GModG lässt geeignete Bildaufnahmen ausdrücklich als Alternative zu. Die Verbraucherzentrale rät bei Bedarfsausweisen trotzdem zur Begehung, weil die Datenerhebung sonst fehleranfällig ist.
Was kostet ein Bedarfsausweis für ein Mehrfamilienhaus?
Bei Aufnahme vor Ort nennt co2online rund 300 Euro Grundpauschale zuzüglich 30 bis 50 Euro je Wohneinheit (Stand 12/2021).
Warum ist ein Bedarfsausweis bei manchen Anbietern so billig?
Weil dort der Eigentümer die Gebäudedaten selbst einträgt und keine Anfahrt anfällt. Zulässig — die Verantwortung für deren Richtigkeit liegt dann aber nach § 83 Absatz 3 GModG bei Ihnen.
Lohnt es sich, mit der Bestellung bis 2027 zu warten?
Nur, wenn keine Besichtigung ansteht. Ab dem 1. Januar 2027 dürfen Wohngebäude frei wählen, der günstigere Verbrauchsausweis wird also öfter möglich.
Bekomme ich mit dem Bedarfsausweis eine Sanierungsberatung?
Nein. Modernisierungsempfehlungen sind Pflichtbestandteil (§ 84 GModG), eine Beratung ist es nicht. Sie wird getrennt beauftragt und vom BAFA bezuschusst.
Fazit: Sie zahlen für ein Aufmaß, nicht für ein Siegel
Ein Bedarfsausweis kostet mehr, weil jemand Ihr Haus in Flächen, U-Werte und Anlagenteile zerlegt und daraus eine Bilanz rechnet. Wie teuer, entscheidet die Datenlage: Mit Bauplänen bleibt es überschaubar, ohne sie wird das Aufmaß zum größten Posten. Schauen Sie sich also weniger den Endbetrag an als das, was darin steckt — und ob Sie überhaupt einen brauchen. Bis 2027 geht der schnellste Weg über den Bedarfsausweis online.
Quellen
- Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), § 80 — Ausstellung und Verwendung von Energieausweisen gesetze-im-internet.de ↩
- Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), § 81 — Energiebedarfsausweis gesetze-im-internet.de ↩
- Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), § 82 — Energieverbrauchsausweis gesetze-im-internet.de ↩
- Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), § 83 — Ermittlung und Bereitstellung von Daten gesetze-im-internet.de
- Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), § 84 — Empfehlungen für die Verbesserung der Energieeffizienz gesetze-im-internet.de ↩
- Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), § 38 — Energetische Bewertung eines bestehenden Gebäudes gesetze-im-internet.de ↩
- Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), § 20 — Berechnung des Jahres-Primärenergiebedarfs eines Wohngebäudes gesetze-im-internet.de ↩
- Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), § 98 — Registriernummer gesetze-im-internet.de
- Gesetz zur Änderung des Gebäudeenergiegesetzes und weiterer Vorschriften im Wärmebereich, Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 226 vom 28. Juli 2026 recht.bund.de ↩1 ↩2 ↩3
- Bekanntmachung der Regeln zur Datenaufnahme und Datenverwendung im Wohngebäudebestand vom 8. Oktober 2020 (BAnz AT 04.12.2020 B1) bundesanzeiger.de ↩1 ↩2
- Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt), GEG-Registrierstelle — Kontingent und Gebühren (abgerufen 09/2026) dibt.de ↩
- co2online, Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis: Vergleich (Stand 17.12.2021) co2online.de ↩
- Verbraucherzentrale, So kommen Sie an einen Energieausweis für Ihre Immobilie (Stand 09.10.2025) verbraucherzentrale.de ↩1 ↩2
- Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), Bundesförderung der Energieberatung für Wohngebäude (Stand 30.04.2026) bafa.de ↩
- Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), § 79 — Grundsätze des Energieausweises gesetze-im-internet.de ↩